Das Wort "trigger" stammt aus dem Englischen und bedeutet Auslöser. Am Besten lässt sich dieses Phänomen mit dem Vergleich eines Gewehres erklären– durch den Abzug/Auslöser beim Gewehr wird etwas ausgelöst; der Schuss schlägt ein. Bei Triggerpunkten ist es ganz ähnlich. Die Stelle, wo der Schmerz ausgelöst wird (Auslöser), ist oft nicht identisch mit der Stelle, die schmerzt. Das ist auch der Grund, warum die Behandlung von Schmerzen am Bewegungsapparat oft für den Behandler und für den Patienten unbefriedigend sind.
Bei manchen Patienten kommt es sogar durch die Behandlung der schmerzenden Stelle zu einer Schmerzverstärkung!

Vor etwa fünf Jahrzehnten haben amerikanische Wissenschaftler entdeckt, dass unter Stress gewisse Überleitungsstellen zwischen den Nerven und den Muskeln erkranken können, sodass sich im Muskel bestimmte Fasern verkrampfen und verkürzen. Diese Stränge drücken die Blut- und Sauerstoffversorgung ab, was, wie bei einem Herzinfarkt, zu starken lokalen Schmerzen führt. Diese empfindlichen Stellen in einem verspannten Muskelstrang werden als Triggerpunkte bezeichnet. Bei einer starken Störung erzeugen diese Triggerpunkte einen Dauerschmerz, ist die Störung geringer, tut nur die Bewegung und die Dehnung des Muskels weh.

Durch den Dauerbeschuss mit Reizen im schmerzleitenden Nervensystem können im Rückenmark gewisse Schmerzübertragungssubstanzen überfließen und andere Schmerzbahnen in Betrieb setzen. Dies ist die Ursache dafür, dass starke oder chronische Schmerzen schließlich auch an Körperstellen empfunden werden, die mit der Verletzung gar nichts zu tun haben.

Solche Muskelschmerzen gibt es am ganzen Körper. Ein großer Teil der Rückenschmerzen hat einen muskulären Ursprung. Bei den häufigen Schulterschmerzen entsteht ebenfalls nur ein Teil der Schmerzen im Gelenk selber, bei vielen Schulterschmerzen sind nur die Muskeln erkrankt. Beim Tennisellbogen handelt es sich um einen typischen Schmerz, der ursprünglich in verschiedenen überlasteten Muskeln entsteht. Auch ein Teil der Kopfschmerzen nimmt seinen Ausgang in verspannten Nacken- und Halsmuskeln. Weiters haben die Leistenschmerzen der Fußballer, die chronischen Zerrungen der Leichtathleten sowie Knie- und Achillessehnenschmerzen der Läufer praktisch immer eine Ursache in überbelastungsbedingten Muskelerkrankungen.

Ein paar Beispiele:
                                                                                                             

Die Tatsache, dass die muskulären Ursachen von Schmerzen so lange übersehen worden sind, hat eine plausible Ursache. Sie besteht darin, dass der Ort, an welchem der Schmerz entsteht, und der Ort, wo der Schmerz empfunden wird, am Körper oft weit auseinander liegen. So liegt die Quelle von Rückenschmerzen manchmal in der Bauchmuskulatur, bei einigen Patienten ist die Ursache für einen Tennisellbogen in der Daumenballenmuskulatur zu suchen, Kopfschmerzen können in der vorderen Halsmuskulatur ihren Ausgang nehmen, Knieschmerzen gehen oft von der vorderen Oberschenkelmuskulatur aus und der häufige Achillessehnenschmerz entsteht praktisch immer in der Wade.

Die gute Nachricht ist, dass die erkrankten Muskelstellen auch nach Jahren noch heilbar sind. Mit Handgriffen oder mit Nadeln können die erkrankten Muskelstellen so beeinflusst werden, dass die Blutzirkulation in den Triggerpunkten wieder hergestellt wird und dass der Schmerz dabei verschwindet. Es gelingt allerdings nicht immer, Schmerzfreiheit wieder zu erreichen. Bestehen die Schmerzen zu lange, kommt es im Gehirn zur Ausbildung eines „Schmerzgedächtnis“, d.h. es werden dann Schmerzen empfunden, obwohl in der schmerzenden Körperregion „alles in Ordnung“ ist.                                         

Wenn du unter störenden Schmerzen leiden, lohnt es sich, dass du von einem Arzt untersuchst wirst, der sich mit Muskelschmerzen auskennt. Und du profitierst vielleicht davon, wenn du dich von Physiotherapeuten behandeln lässt, die die nicht einfachen Techniken der Triggerpunkt-Therapie erlernt haben. Je rascher deine Schmerzen sachkundig beurteilt und von kompetenten Fachkräften behandelt werden, um so eher besteht die Möglichkeit, volle Beschwerdefreiheit wieder zu erlangen.

Eine Triggerpunkt-Therapie verlangt von jedem einen Beitrag. Die Therapie arbeitet an den Stellen des Körpers, wo die stärksten Schmerzen provozierbar sind. Dies ist nicht angenehm. Mit dem Wort "Stopp" kann aber jede Behandlung jederzeit unterbrochen werden, wenn es zu viel wird. Es muss nicht alles an einem Tag geheilt werden. Sind die Schmerzen unerträglich, so kann man sie mit Eis mildern oder vorher einen Ultraschall applizieren.

Nach einer Triggerpunktbehandlung schmerzt der behandelte Körperteil einige Tage lang. Die Haut wird durch die Behandlung etwas gereizt und manchmal gibt es an der behandelten Stelle auch einen Bluterguss. Es unterstützt den Heilungsprozess, wenn nach der Therapie ein heißes Bad genommen wird und gegebenenfalls zwei bis drei Tage lang eine Schmerztablette geschluckt. Dies bitte jedoch immer direkt mit dem behandelnden Therapeuten besprechen.

Was kannst du tun, um eine Heilung zu unterstützen:

  • Jeden behandelten Muskel sollte einige Wochen lang täglich mehrmals gedehnt werden. (mind. 30 Sekunden je Haltung)
  • Sofern die Schmerzen dies zulassen, sollten wieder Sport betrieben werden, optimal 2x pro Woche Walken, Joggen, Radfahren, Schwimmen, Krafttraining, Vita Parcours, Turnen, Joga, Feldenkrais, Qi Gong, Tanzen usw.
  • Auf schmerzverursachende Haltungen und Arbeitsgänge im Alltag achten. Versuchen diese zu vermeiden!
  • Beachte die Haltungskorrekturen, die wir dir gegeben haben, denn oft liegt hier die Ursache!